Kai Paschen: „Zum Glück hatte ich eine Poliomyelitis“.

Dass er mit 13 Jahren an Poliomyelitis erkrankte, sieht Kai Paschen als persönlichen Glücksfall. Auch wenn die Erkrankung ihn Jahrzehnte später als Post-Polio-Syndrom einholt. Immerhin verdanke er ihr eine großartige wissenschaftliche Karriere.

Kai Paschen: "Zum Glück hatte ich eine Poliomyelitis" (vorne, von links nach rechts: "Malu" Dreyer, Ministerporäsidentin Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. med. Kai Paschen, Karin Hohenadel-Paschen. hinten: Hans Clemm, Polio-Pfalz. Bild: privat)

Kai Paschen: „Zum Glück hatte ich eine Poliomyelitis“ (vorne, von links nach rechts: „Malu“ Dreyer, Ministerporäsidentin Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. med. Kai Paschen, Karin Hohenadel-Paschen. hinten: Hans Clemm, Polio-Pfalz. Bild: privat)

Von Lothar H. Epe

Kai Paschen ist eine imposante Erscheinung. Seine wachen Augen blicken gütig. Ein grauer Vollbart betont seinen zugewandten, väterlichen Blick. Sein braunes, leicht angegrautes Haar hat er locker nach links gescheitelt. Der gebürtige Hanseat spricht langsam und mit warmer Stimme. Sein Dialekt: ein angenehmes Überbleibsel aus den Kindertagen, die er in Hamburg verbracht hat. Die gelähmte rechte Hand am Joystick seines Elektrorollstuhls, ist er immer bereit für eine kleine Spritztour durch sein barrierefreies Eigenheim auf dem Erbsenberg in Kaiserlautern, direkt hinter dem Sportplatz.

1939 wird Paschen als Sohn eines Studienrates und einer Hausfrau geboren. Als 13-jähriger steckt er sich mit Poliomyelitis an. Zurück bleiben Muskelschwächen in Armen und Beinen. Dennoch macht Paschen als 20-jähriger Abitur und studiert anschließend Medizin in Hamburg und Tübingen.

Zur gleichen Zeit findet in den Vereinigten Staaten eine medizinische Sensation statt. Auf dem Kontinent hatte die flächendeckende Impfkampagne mit einem erstmals entwickelten Impfserum gegen die gefürchtete Kinderlähmung begonnen – zu verdanken war das dem Immunologen Jonas Salk. Für Millionen von Patienten war Salk ein Held, seine Erfindung ein Meilenstein im Kampf gegen die Poliomyelitis, die dank seines Serums zunächst in den USA und danach in ganz Europa ausgerottet werden konnte. Daran erinnert jedes Jahr der 28. Oktober, der Weltpoliotag, der Geburtstag des 1995 verstorbenen Salk. Für seinen Wissenschaftskollegen, den Labormediziner Kai Paschen, kommt der Impfstoff jedoch zu spät – „glücklicherweise“, wie Paschen im Nachhinein überraschend sagt.

1966 legt Paschen sein Staatsexamen ab, ein Jahr später promoviert er. Von 1968 an ist er wissenschaftlicher Assistent an der Uni Göttingen. 1973 erhält er die Anerkennung zum Facharzt für Laboratoriumsmedizin und 1974 die Lehrbefähigung für das Fach „Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin“ (Habilitation).

Ein Jahr später startet Paschen richtig durch: Er wird Oberarzt im Zentrallabor der Universitäts-Kliniken Tübingen. Daneben ist er Konsiliarärztlicher Leiter des Zentrallabors im Kreiskrankenhaus Böblingen. 1975 wird Paschen Chefarzt des Zentrallabors und der Blutbank des Städtischen Krankenhauses Kaiserlautern, um 1981 zum Professor ernannt zu werden. Schließlich wird er 1998 zum Ärztlichen Direktor des Städtischen Krankenhauses Kaiserlautern (später Westpfalz-Klinikum GmbH) berufen. Bis heute hat Paschen nach eigenen Angaben 260 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und 390 Vorträge gehalten. Er war außerdem jahrelang verantwortlicher Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift „Magnesium Bulletin“.

2004 geht Paschen in den Ruhestand. Fortan widmet er sich ausschließlich ehrenamtlichen Tätigkeiten. 2011 erhält Paschen das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Lebenswerk und die Ehrenmedaille des Bundesverbandes Poliomyelitis e. V. Paschen ist zum zweiten Mal verheiratet und hat aus erster Ehe zwei Töchter und einen Sohn.

Total verloddert und vertrottelt

Jenseits der biografischen Fakten ist ein Mensch zu besichtigen, der von sich selbst sagt, als Kind sei er total „verloddert und vertrottelt“ gewesen. In den Tag habe er hinein gelebt, Räuber und Gendarm hätten sie als Jungen gespielt. Von morgens bis abends. Über seine Zukunft habe er sich da keine Gedanken gemacht. Das sei erst viel später passiert. Von jenem 13. Lebensjahr an, als er nach der Kinderlähmung vier Jahre in Krankenhäusern gelegen habe. „Da hatte ich alle Zeit der Welt, mir Gedanken zu machen, was aus mir werden sollte“, sagt Paschen.

Die Eltern hätten ihn und seine Geschwister Kinder sein lassen. Marion Seinwill, 73-jährige Schwester von Paschen, sieht das indes etwas weniger romantisch: „Unsere Mutter hatte gar keine Zeit, ständig nach uns Kindern zu schauen. Die hatte ganz andere Sorgen.“

Der Vater habe sich aus der Erziehung rausgehalten, sagt die ehemalige Eigentümerin einer Werbeagentur in Hamburg. Und als Hamburg im Sommer 1943 von den Alliierten ausgebombt wird, sollte für Jahre mit dem „Kind sein“ sowieso erst mal Schluss sein. Paschen: „Ich werde nie vergessen, wie ich bei einem Luftangriff von völlig fremden Leuten noch gerade rechtzeitig in einen Kellerraum gezerrt wurde.“ Nach dem Krieg kommt der Vater zunächst nicht nach Hause zurück. „Meine Mutter hatte einen Brief bekommen, mein Vater sei wohl bei Kämpfen um Marseille gefallen“, sagt Paschen. Sie hätten jahrelang nichts von ihm gehört, bis der Vater aus der Gefangenschaft doch wieder nach Hause gekommen sei.

Sehr viel Zeit zum Nachdenken und ein wegweisendes Gespräch

An einem bitterkalten Wintertag, Ende Januar 1953: Es ist weit nach Mitternacht und der inzwischen 13-jährige Paschen hat starke Kopfschmerzen. Tabletten helfen nicht. Am nächsten Morgen kommt der Kinderarzt und untersucht den inzwischen vom Fieber gezeichneten Jungen. Der Kinderarzt macht auf dem Wohnzimmertisch eine Lumbalpunktion, nachdem er eine Nackenstarre festgestellt hatte, die auf Meningitis (Gehirnhautentzündung) hinweist.

Flüssigkeit wird aus dem Rückenmark entnommen. Sie ist verfärbt. Ein schlechtes Zeichen. In den nächsten Tagen wird Paschens Muskulatur immer schwächer, bis er gar nicht mehr laufen und kaum noch atmen kann. Diagnose: Kinderlähmung. Paschen wird in eine neurologische Klinik gebracht, auf eine Isolierstation, denn die Kinderlähmung ist hochansteckend. Jetzt hat Paschen sehr viel Zeit, über seine Zukunft nachzudenken.

Eine Behandlung findet zunächst nicht statt. „Zwei besonders ehrgeizige Ärzte quälten mich fast täglich mit völlig sinnfreien Lumbalpunktionen“, sagt Paschen. Dafür hat der Patient aber ein Gespräch mit seinem zuständigen Stationsarzt, das sein weiteres Leben bestimmen sollte. „Er machte mir klar, dass ich nur eine Chance habe, wenn ich mein Leben von nun an völlig selbstbestimmt angehe. Ich solle mich da auf keinen Fall auf andere verlassen“, erinnert sich Paschen. „In Zukunft musst Du üben, üben… und nochmal üben. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“, habe der Arzt ihm eingebläut. Paschen fing gleich damit an.

Zu Hause spielt die Erkrankung von Paschen indes keine übergeordnete Rolle. Katharina Seinwill, Schwester von Paschen: „Die Erkrankung von Kai war natürlich ein Thema, aber es hat unser Leben nicht bestimmt.“

Eine Unverschämtheit: Als Krüppel Medizin studieren

Die gesundheitliche Situation des 13-jährigen verbessert sich erst, als er in das Hamburger Seehospital „Nordheimstiftung“ in Sahlenburg bei Cuxhaven verlegt wird. Dort waren fast alle Fälle der letzten Polioepidemie Hamburgs untergebracht. „Dieser Entwicklungsabschnitt war für mich von großer Bedeutung“, sagt Paschen. Da habe er verinnerlicht, was ihm kurz zuvor vermittelt worden sei: Auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, wenn man es im Leben zu etwas bringen wolle.

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus geht Paschen wieder zur Schule und macht Abitur. Er will unbedingt Medizin studieren. „Das war aber nicht einfach durchzusetzen, weil selbst meine Eltern dagegen waren“, sagt Paschen. Studieren sei für einen Schwerbehinderten in diesen Zeiten fast ein Unding gewesen. Aber er kann sich durchsetzen.

Welche Probleme wegen seiner Schwerbehinderung im Studium auf ihn zukommen sollten, stellt sich bald heraus. Paschen erinnert sich an eine Situation während des Physikums: „Ich konnte die schwere Flasche mit der konzentrierten Schwefelsäure nicht tragen. Wegen meiner Muskelschwäche in den Armen. Daher füllte ich mir etwas von der Schwefelsäure in ein Reagenzglas und konnte so das Cholesterin in einem Gallenstein nachweisen“. Kommentar des prüfenden Professors: „Ich empfinde es als Unverschämtheit, dass Sie als Krüppel Medizin studieren.“
1962 lernt Paschen seine erste Frau kennen, eine Kommilitonin. Sie heiraten noch im selben Jahr. Kurz zuvor waren beide für das zweite Klinische Semester von Hamburg an die Universität Tübingen gewechselt. Kurz danach wird ihr Sohn geboren. Zwei Töchter sollten folgen. Um problemloser studieren zu können, wechseln sich die Paschens mit einem befreundeten Studentenehepaar bei der Kinderbetreuung ab.

Eine klassische Wissenschaftskarriere

Als Paschen 1981 zum Professor ernannt wird, hat er sein Karriereziel erreicht. Lohn für jahrelange Forschungsarbeit und Herausforderung zugleich. 1983 trennt sich Paschen von seiner ersten Frau. Drei Jahre später lernt er die Heilpraktikerin Karin Hohenadel kennen. Als sich die Beiden auf den Tag genau 13 Jahre kennen, heiratet Paschen ein zweites Mal. Der Labormediziner erklärt: „ Zu dem Zeitpunkt war es unter Professoren ein Tabubruch, wenn ein Schulmediziner eine Heilpraktikerin heiratet“. Dabei ergänzten sich Schulmedizin und Naturheilkunde hervorragend. Paschen weiter: „Wir verstehen uns nicht nur privat, sondern auch fachmedizinisch“.

1998 wird der Professor für Labormedizin und Klinische Chemie Ärztlicher Direktor des Städtischen Krankenhauses Kaiserslautern und Chef von annähernd 4000 Mitarbeitern, Herr über 1500 Patientenbetten und Anweisungsbefugter für 43 Fachabteilungen. Zusätzlich hat Paschen Lehraufträge an den Universitäten Tübingen und Mainz.

Als Labormediziner arbeitet Paschen mit allen Fachdisziplinen der Schulmedizin zusammen. Als Wissenschaftler habe er sich vor allem mit der Entwicklung immer besserer Analyseverfahren und -geräte befasst.

Trotzdem hat Paschen Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten. Ab 1981 ist er Mitglied im Lionsclub Kaiserlautern, wo er Sekretär und Vorstand wird. Er wird außerdem Präsident der Lionsclubhilfe e. V., engagiert sich als Mitglied in verschiedenen internationalen Fachgesellschaften. Paschen ist aber auch den irdischen Dingen des Lebens zugewandt. Nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau zieht Paschen in ein Reiheneckhaus, das seine Freunde nur „das scharfe Eck“ nennen. „Es gab einen großen Freundeskreis. In unserem Haus war immer was los“, sagt Paschen.

Leukämie und andere „Böswilligkeiten“

Irgendwann in der Mitte der neunziger Jahre beginnt sich Paschens Gesundheitszustand zu verschlechtern. Es entwickelt sich ein Post-Polio-Syndrom. Wann das angefangen hatte, weiß Paschen nicht genau. „Der Druck und die psychische Belastung in der Klinik wurden immer größer“, sagt Paschen. Heute sei er davon überzeugt, dass diese Überlastung der Grund dafür gewesen sei, dass sich das Post-Polio-Syndrom bei ihm so rasant entwickeln konnte.

Das Post-Polio-Syndrom ist heimtückisch und noch relativ wenig erforscht. Es ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die als direkte Folge der durchgemachten Poliomyelitis gesehen wird. Nach Jahrzehnten relativer Beschwerdefreiheit brechen die bereits vorgeschädigten Nervenzellen wieder zusammen. Nicht nur körperliche Belastungen spielten hier eine Rolle. Auch psychischer Druck ist Experten zufolge eine Ursache für das Post-Polio-Syndrom. Ein bisschen sei das so, als bekomme man die Kinderlähmung ein zweites Mal. „Es begann ganz typisch mit dem plötzlichen Versagen entscheidender Muskelgruppen“, so Paschen weiter. Das Laufen sei ihm von Monat zu Monat schwerer gefallen. Er habe immer mehr Hilfestellungen gebraucht und zunehmend den Rollstuhl nutzen müssen.

Ende Juni 2004 hat es Paschen aber endlich geschafft. Der Rollstuhlfahrer hat trotz zunehmender gesundheitlicher Beschwerden bis zur Pensionierung durchgehalten. Durchhalten war wichtig für Paschen. Immer. Sein Leben: Ein einziger Marathonlauf. Paschen ist froh über den Ruhestand. Der Ärztliche Direktor fällt nicht in ein tiefes Loch, als er die Verantwortung an seinen Nachfolger Professor Axel Stachon abgibt. Stachon, selbst Labormediziner, über seinen Vorgänger: „Paschen hat mich als Mensch und mit seiner Fachkompetenz sehr beeindruckt. Er ist eine herausragende Führungspersönlichkeit und mit einer Lebensheiterkeit und -weisheit ausgestattet, die mich immer wieder fesselt“. Paschen will nun endlich nachholen, wozu er vorher nicht gekommen ist.

Doch daraus wird nichts. Nach seiner Pensionierung finden Ärzte in Paschens Körper eine Leukämie und andere „Böswilligkeiten“, wie Paschen das nennt. Die machen den ehemaligen Ärztlichen Direktor von nun an zum Stammgast auf der Intensivstation im Westpfalz-Klinikum. Mal wird ein Großteil der Aorta ausgewechselt, ein anderes Mal müssen ihm vier Bypässe gelegt werden. Und immer wieder wird Paschen von lebensbedrohlichen Infektionen heimgesucht. Auch die wegen der Leukämie notwendige Dauer-Chemotherapie, mit der er seine Krebserkrankung bisher in Schach halten kann, fördert das Fortschreiten des Post-Polio-Syndroms.

Engagement in der Polio-Selbsthilfe

So ganz ohne Arbeit kommt Paschen aber dann doch nicht aus. Seit 2004 engagiert er sich in verschiedenen Selbsthilfegruppen für Menschen, die von den Spätfolgen der Polio betroffen sind. Allein 2007 hatten sich 200 Betroffene bei Paschen gemeldet, nachdem in der überregionalen Presse in und um Kaiserslautern herum ein Artikel über das Post-Polio-Syndrom erschienen war. Das hat auch Paschen überrascht: „Die Resonanz auf den Artikel hat mich umgehauen“. Die Betroffenen hätten Probleme mit ignoranten Ärzten, mit ihren Krankenkassen und mit ärztlichen Verordnungen. „Und sie haben Probleme mit sich selbst“, sagt Paschen. Da er das große Glück habe, Mediziner zu sein, sehe er sich da in der Pflicht.

Der 73-jährige Hans Clemm, Vorstand bei der Ainea AG in Ludwigshafen, war damals einer dieser zweihundert Betroffenen. „Als ich den Artikel gelesen hatte, war sofort klar, dass ich bei den Treffen dabei sein würde. Er schätzt an Paschen besonders seine „wissenschaftliche Genauigkeit“. 2011 wird Paschen für sein Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Noch im selben Jahr verleiht der Bundesverband Poliomyelitis, der größte Polioverband Europas, Paschen wegen seines Einsatzes für Poliobetroffene die Ehrenmedaille.

Im Dezember 2012 gründet Paschen in Kaiserlautern den Selbsthilfeverein Polio-Echo. Paschen versteht den Verein als überfällige Ergänzung zu den bereits bestehenden Polio-Selbsthilfe-Organisationen, deren Arbeit vor allem auf einem Angebot an örtlichen Selbsthilfegruppen basiere. „Bei Polio-Echo handelt es sich um ein internetbasiertes und internationales Angebot, bei dem es um Aufklärungs- und Lernmittel in digitaler Form geht“, sagt Paschen.

Warum die Poliomyelitis seine wissenschaftliche Karriere befördert habe und die Erkrankung deshalb ein großes Glück für ihn gewesen sei, erklärt Paschen indes so: „Ich glaube, die Ursache findet man in unserer Biografie als Poliobetroffene. Die Kinderlähmung hat uns stark gemacht“. Das hätte vermutlich auch Jonas Salk gefallen, der gesagt haben soll: „Ich empfinde die Möglichkeit, mehr zu tun, als die größte Belohnung für den Erfolg.“

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5 Kommentare

  1. Danke vielmal für diesen wunderbaren hilfreichen
    Bericht!

  2. Das hat er verdient! Habe Kai Paschen einmal in Koblenz kennen gelernt. Damals faszinierte mich seine Hypothese, das viele sogenannte Fibromyalgie „Verdächtige“ womöglich eine Polio durchgemacht haben.
    Lieben Dank für den Bericht! Es gibt immer wieder Neues, Überraschendes und Aufschlussreiches. Selbst Wiederholungen sind eine gute Unterstützung, im Langzeitgedächtnis mehr Wissen ab zu speichern. 🙂

  3. Selbst betroffen heute 64 Jahre als Säugling 1952 in Heidelberg an Polio erkrankt, die PPS brach Anfang 2011 innerhalb von vier Monaten aus. Mich hat es jeden Tag so auf die Fresse hingehauen, das glaubt man nicht. Man ist am verzweifeln warum weshalb was passiert da mit mir. Beine, Arme, einfach alles versagt. Einmal bin ich nach knapp zwei Stunden im Bad aufgewacht als es mich mal wieder hingehauen hat, mein Therapiehunmd Peter hat mir das Gesicht abgelegt und er saß vermutlich die ganze Zeit an meiner Seite.
    Wenn ich genau überlege gab es schon einige Jahre zuvor schon anzeichen dafür dass was auf mich zukommt. Ich habe Altbausanierung gemacht. Plötzlich war man Müde, Schlapp. Man wollte nur noch Schlafen. Dies waren schon die Anzeichen die ich aber erst im Nachhinein erkennen konnte.
    Heute habe ich zwar eine Behindertengerechte kleine Wohnung mit meinem Peter zusammen. Ich kann mit dem E-Rolli den ich seit 2012 habe in die Wohnung fahren, muss aber jeden Tag um Anerkennung kämpfen. Bei mir ist der Mittelstrang der Nervengewaltig geschädigt. Die Zungen wurzel bleibt im Rachen hängen, der Kaumuskel klappt nicht mehr richtig, Schluckmuskel, Magenmuskel, Darmmuskel ja sogar der Schließmuskel ist davon betroffen. Weil die verdauung nicht mehr richtig funktioniert ist auchder Stuhlgang nicht gerade erfrischend. Ich muss regelmäßig Laxoberal einnehmen und regewlmäßig Einläufe machen. Nun ist aber der Schließ,muskel so gelähmt, dass er die Füllung des Klistiers nicht halten kann. Ihr glaubt es nicht was das für einen Kampf ist. Anfang 2013 habe ich durch eine nicht Ordnungsgemäß ausgeführte OP mein Glied verlohren. Ich habe nicht zum Greifen wenn ich wasserlassen muss. Durch viel Wasseransammlung in meinen Beinen muss ich Torem einehmen. Das heist mit anderen Worten ich muss zwansig bis dreisig mal am Tag wasserlassen. Durch die PPS habe ich aber auch eine Kälteintolleranz. Innerhalb von Sekunden muss ich Wasserlassen. Ja nun lass mal Wasser wenn du nicht zum Greifen und Ziehlen hast. Nach neuester Rechtssprechung bekomme ich pro Tag aber nur eine Vorlage was nun. Man ist an die Wohnung gefesselt. Am Tag muss man dann bis dreimal die Hosen wechseln weil man nass ist bis in die Schuhe. Da ich auch Dieabetiker bin seit 2010 muss ichmich am Tag sechs mal Insulin Spritzen, bin ich den ganzen Tag lang beschäftigt mich über Wasser zu halten.
    Ich habe eine Pflegestufe beantragt, ein Pflegebet wegen Skoliose, Spinalkanalstenose an HWS und LWS, die BWS ist steif und an der LWS ist eine sehr Starke Spangenbildung ich kann dann auf Grund des Muskelschwundes am Körper und Armen mich im Schlaf schlecht drehen, ich habe Haushaltshilfe beantragt. Alles wurde durch die Barmer GEK abgelehnt. Ein Ärztegremium hätteAnfang 2014 entschieden isch sei nicht Pflegebedürftig. Die Kur wollte ich im Quellenhof machen, abgelehnt ich sei nicht Pfleghebedürftig.
    Was bleibtdann noch, der Strick. Wenn ich meinen Therapiehund Peter nicht hätte ich wäre längst weg.
    Ich habe noch was vergessen: seit 2012 habe ich ein RES MED S9 das ich zur Zwangsbeatmung eingesetzt habe. Seit 2013 habe ich ein Zweites gekauft das ich im PKW verwende wenn ich Autofahre. Es sieht zwar blöd aus wenn ich an der Ampel Stehe und die Menschen mich angaffen wie wenn ich vom Mars komme, aber das ist mir Wurscht. Hura ich lebe noch, aber wie?
    Ich wünsche allen Betroffenen und Familienangehörigen viel Kraft und geniesen sie jeden Tag es könnte der letzte sein.
    M;fG Kiefer Michael, Kurze Straße 2 in 09366 Stollberg / Erzgeb,

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