Reha-Kliniken

Foto: Rehabilitationsklinik Miriquidi Themalbad Wiesenbad

Neben der richtig angewandten Physiotherapie ist die stationäre Reha eine der tragenden Säulen bei der Behandlung von Kinderlähmungsfolgen.

Dabei ist es jedoch von größter Bedeutung, die Rehamassnahme in einer Klinik durchzuführen, die sich mit Kinderlähmungsfolgen, insbesondere mit dem Post-Polio-Syndrom auskennt.

Insofern ist es wiederum wichtig, dass Kliniken nach ganz konkreten Kriterien zertifiziert werden, damit Betroffene sicher sein dürfen, in einer Rehabilitationsklinik behandelt zu werden, in der diese Kriterien berücksichtigt werden, da eine unsachgemäße Behandlung für Menschen mit Kinderlähmungsfolgen negative, ja fatale Folgen für den Gesundheitszustand des Betroffenen haben kann.

Überdies kostet eine falsche Behandlung den zuständigen Kostenträger und somit auch die Allgemeinheit nicht nur unnötig viel Geld.Für Betroffene ist es in einem solchen Fall sogar besser zu hause bleiben, um so wenigstens einen „Kollateralschaden“ zu vermeiden.

Der Bundesverband Polio e. V. bemüht sich seit Jahren um die Lösung dieses Problems und hat inzwischen mehrere Rehabilitationskliniken deutschlandweit nach ganz konkreten Kriterien zertifiziert.

Man muss sich allerdings auch fragen, wieso in all der Zeit erst nur eine Hand voll Kliniken zertifiziert wurden und die Antwort ist einfach:

Zum einen kennen sich nur eine Hand voll Ärzte wirklich mit den Spätfolgen der Kinderlähmung, insbesondere mit dem Post-Polio-Syndrom. Ausserdem ist das Vorherrschen einer gewissen Ignoranz in der Ärzteschaft nicht von der Hand zu weisen. In gewisser Weise ist sogar eine unverständliche Arroganz bei vielen Ärzten zu beobachten, wenn es um das Thema Poliospätfolgen geht. Da wundert es nicht, dass sich nur wenige Reha-Kliniken mit der Problematik überhaupt befassen.

Zum anderen sind die Kriterien der Zertifizierungen sehr streng, was Sinn macht, damit Betroffene davon ausgehen können, dass sie in einer solchen Klinik auch wirklich gut aufgehoben sind.

Letztlich brauchen auch die Kostenträger realistische Anhaltspunkte, die es Ihnen ermöglichen, Betroffene einer Rehabilitationsklinik zuzuweisen, die gewährleistet, dass dort eine adäquate und angemessene Behandlung erfolgt, Betroffene auch vom Kostenträger bei der Suche nach der für sie richtigen Rehabilitationsklinik unterstützt werden können, weil auch dort die Kenntnisse über Kinderlähmungsfolgen und das Post-Polio-Syndrom meistens nur latent oder überhaupt nicht vorhanden sind.

Und als ob alles noch nicht schwierig genug wäre, ergeben sich hierbei weitere Probleme, die ein noch „schärferes Kaliber“ darstellen.

Während von einigen führenden Experten auf dem Gebiet der neurologischen Erkrankung „Post-Polio-Syndrom“ eine Reha-Kur im jährlichen Rhythmus empfohlen wird, ist eine Genehmigung durch den Kostenträger oftmals auch bei dem im allgemeinen üblichen „Vierjahresrhythmus“ schon schwierig.

Einige Betroffene berichten allerdings auch , dass ihnen schon seit Jahren jährlich eine entsprechende Reha-Kur bewilligt wird, was oftmals auf die „Zugänglichkeit“ der zuständigen Sachbearbeitung zurück geführt wird.

Das eine ist nämlich, eine Rehabilitationsklinik zu finden, die sich mit den Folgen der Kinderlähmung auskennt. Das andere ist aber oftmals, den Kostenträger davon zu überzeugen, dass diese Rehakur auch bewilligt werden muss.

Ein beliebtes Argument bei der Ablehnung der Reha-Kur durch den Kostenträger ist der Verweis darauf, dass die ambulanten Möglichkeiten nicht ausgeschöpft seien.

Warum das Unsinn ist:

Eine stationäre Rehabilitation ermöglicht es dem von den Poliospätfolgen betroffenen Menschen, unter geringstem körperlichen Aufwand innerhalb einer auf ein paar Wochen beschränkten Zeitspanne relativ viele Therapieeinheiten durchzuführen, da die Wege innerhalb einer Reha-Einrichtung kurz und besser aufeinander abgestimmt sind.

Eine ambulante Reha hingegen erfordert sehr viel mehr körperlichen Aufwand mit An- und Abfahrten ggf. zu verschiedenen Behandlungsadressen, die zum Teil weit auseinander liegen, was den angestrebten Behandlungserfolg möglicherweise gleich wieder zunichte macht.

Auch die Entlastung vom familiären Alltag ist eine sehr konkrete Hilfe für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Stehen die Menschen mit Kinderlähmungsfolgen noch im Berufsleben, ist die Bewilligung einer Reha-Kur in aller Regel  grundsätzlich kein Problem, weil es für den Kostenträger bei der Entscheidung über eine Bewilligung der Massnahme entweder um die Erhaltung der Arbeitskraft oder um die Feststellung der zukünftigen Arbeitsfähigkeit geht, also um die Frage, ob der  Patient möglicherweise besser „verrentet“ werden sollte.

Die Probleme bei der Bewilligung einer Reha-Kur beginnen aber mit schöner Regelmässigkeit, wenn der Betroffene bereits verrentet ist.Dann wird die Bewilligung zum echten Kostenfaktor.

Grundsätzlich ist es ganz wichtig und hilfreich, den behandelnden Arzt schon bei der Antragstellung  darum zu bitten, in seiner Begründung für die Notwendigkeit der Rehakur dem Kostenträger konkrete Vorschläge für die Auswahl der Klinik zu machen und darauf zu verweisen, dass eine zertifizierte „Polioklinik für den Behandlungserfolg von immenser Bedeutung ist und ausreichend zu begründen, warum eine ambulante Reha keinen Sinn macht und den Behandlungserfolg sogar gefährdet.

Auch der Hinweis auf die „Vermeidung der Pflegebedürftigkeit“ ist ein wichtiges Argument für die Bewilligung eine stationären Rehamassnahme..

Leztlich möchte ich Sie noch ausdrücklich ermutigen, sich auf keinen Fall vom zuständigen Kostenträger „ins Boxhorn“ jagen zu lassen und ggf. auch mit professioneller Hilfe (z. B. Anwalt für Sozialrecht) Ihren berechtigten Anspruch auf die Bewilligung einer stationären Rehamassnahme in einer auf die Poliospätfolgen spezialisierten Einrichtung durchzusetzen!

Nachfolgend finden Sie zertifizierte Rehakliniken und andere Einrichtungen, mit denen Betroffene gute Erfahrungen gemacht haben bzw. die ggf. eine vernünftige Alternative zu zertifizierten Kliniken darstellen können, da Betroffene erfahrungsgemäß ganz unterschiedliche Ansätze und Motivationen haben, wenn es um die Auswahl der Reha-Klinik geht, was durchaus Sinn machen kann, vor allem dann, wenn sich der Betroffene als aktiver Patient gut mit seiner eigenen Erkrankung auskennt.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass es sich bei den hier erwähnten Kliniken, die nicht zertifiziert sind, teilweise auch um Akutkrankenhäuser handelt, die zwar ggf. Erfahrungen mit der Behandlung der Poliospätfolgen haben, aber keine Reha-Kliniken sind.

Andererseits befindet sich in der Hufelandklinik in Bad Ems, die ja eigentlich eine Reha-Klinik ist, eine Akutabteilung, in die man sich von seinem Hausarzt ganz normal stätionär einweisen lassen kann.

Bei dieser Akutabteilung handelt es sich um die Abteilung „Naturheilverfahren“, deren Chefarzt Privatdozent Dr. Brenke zu den wenigen ausgewiesenen „Post-Polio-Spezialisten“ in Deutschland gehört und von dem es eine interessante Arbeit zum Thema Post-Polio-Syndrom und Schmerzen bzw. deren naturheilkundlicher Behandlung gibt (siehe auch unter „Literatur“, PDF-Datei zum runterladen).

Interessante Erfahrungsberichte von Betroffenen finden sie hier auf der Startseite, dessen Angebot für jeden Internetnutzer uneingeschränkt zur Verfügung steht, und im Forum selbst, dass jedoch aus „Sicherheitsgründen“ nur von Registrierten gelesen und schriftlich bereichert werden kann.

Folgende Reha-Kliniken wurden bisher vom Bundesverband Polio e. V. zertifiziert:

Klinik Hoher Meißner, Bad Sooden-Allendorf, Neurologische Abteilung

Klinik Miriquidi, Thermalbad Wiesenbad,Gesamte Klinik

Rheuma-Klinik Bad Bramstedt, Neurologische Abteilung

Quellenhof Bad Wildbad

Rehaklinik Raupennest, Altenberg

Asklepios Klinik Schaufling

Andere Kliniken, mit denen Betroffene gute Erfahrungen gemacht haben oder die auf der Seite des Bundesverbandes Polio e. V. aufgeführt sind (Hierbei handelt es sich teilweise um Akutkrankenhäuser, die keine Reha-Kliniken sind, nähere Einzelheiten bei der Klinik selbst erfragen):

Asklepios Weserbergland-Klinik in Höxter, Neurologische Abeilung

Hufeland-Klinik Bad Ems

Nordsee Reha-Klinikum St. Peter Ording

Diana-Klinik, Bad Bevensen

Rhein-Sieg-Klinik, Nümbrecht

Robert-Koch-Krankenhaus Apolda

Medical Park Bad Rodach

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