Psychologische Aspekte: Wie ticken eigentlich Polionauten?

Die Broschüre des Diplom-Psychologen Bernd Sawitzki hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Dennoch ist sein Ratgeber gerade für Menschen mit Kinderlähmungsfolgen hochaktuell.

Psychologisch betrachtet: Was treibt den Poliobetroffenen um? (Foto: kbuntu/pixelio)

Psychologisch betrachtet: Was treibt den Poliobetroffenen um? (Foto: kbuntu/pixelio)

Neulich hatte der Autor dieses Artikels mal wieder eine dieser Unterhaltungen mit Dr. med. Peter Brauer, die er sehr mag. Die beiden telefonieren von Zeit zu Zeit miteinander. Um sich auszutauschen, sich auf den neuesten Stand zu bringen. Vor allem aber, um gemeinsam zu überlegen, wie sie mal wieder etwas Nützliches für Poliobetroffenen auf die Beine stellen können. Sie sprechen dann meistens erstmal über ihre gegenseitigen gesundheitlichen Befindlichkeiten, streifen dann und wann mal das Wetter und andere Rudimente, reden über tagesaktuelle Dinge, die die Welt gerade bewegen.

Auch weil unser Autor vor einiger Zeit wegen der Behandlung einer psychischen Erkrankung mehrere Wochen in einer Tagesklinik verbringen musste, landeten sie schließlich bei der sehr interessante Frage, wie denn Polios eigentlich so ticken und wie man die bereits vorhandenen Erkenntnisse über die Psyche von Poliobetroffenen am besten an Betroffene weitergeben kann.

„Amtierender Poliopapst von Deutschland“

Dr. Brauer wäre aber nicht der „Amtierende Poliopapst von Deutschland“, wie er mir erst kürzlich von einem Poliobetroffenen am Telefon vorgestellt wurde, würde ihm nicht auch dazu etwas Substanzielles einfallen: „Eine sehr gute Arbeit, aus meiner Sicht die beste, ist die Broschüre „Psychologische Aspekte von körperlicher Behinderung – dargestellt am Beispiel der Poliomyelitis“ des Dipl.-Psychologen Bernd Sawitzki““. Der Ratgeber sei auch deshalb für Poliobetroffene so erhellend, weil er zwar eigentlich die psychischen Probleme körperlich behinderter Menschen insgesamt aufgreife, dies aber am konkreten Beispiel eines von der Polio betroffenen Behinderten erläutert werde, so Brauer weiter.

Der Ratgeber beschäftigt sich also mit dem Krankheitsbild Poliomyelitis und Post-Polio-Syndrom und seiner psychischen Auswirkung und Bedeutung. Und drei Aspekte hält der Herausgeber der Broschüre für so bedeutsam, dass er sie innerhalb des davon betroffenen Beratungsfeldes mit dem Autor auch als Broschüre zur Diskussion stellen wollte:

Sawitzky führt in die Fragen von Entwicklungspsychologie, Neurosenlehre und Ehepsychologie bei von der Poliomyelitis und dem Post-Polio-Syndrom betroffenen Menschen ein. Der Leser werde hier mit einer Störung bekannt gemacht, die zwar in der Beratungsarbeit nicht alltäglich sei, aber immer mal wieder auftauche.

In dem der Dipl.-Psychologe Bernd Sawitzki in seiner Broschüre die Auswirkungen der Poliomyelitis und des Post-Polio-Syndroms auf Ehe und Familie diskutiere, zeige er auf, welche Fragen und Überlegungen notwendig seien, wenn in einer Ehe oder Familie ein Partner oder Familienmitglied als körperlich behinderter Mensch von der Polio und dem Post-Polio-Syndrom betroffen ist.

Nützliche Anregungen und Informationen für Berater und ihre Arbeit

Außerdem hält es der Herausgeber in seinem Vorwort zur Broschüre nur für folgerichtig, wenn der Autor sich im zweiten Teil der Arbeit mit Stressphänomenen und Copingprozessen beschäftigt. Hier würden Beraterinnen und Berater unmittelbar nützliche Anregungen und Informationen für ihre Arbeit bekommen. Und insofern dann natürlich auch für die Behandlung von Menschen mit Poliomyelitis und dem Post-Polio-Syndrom.

Ein dritter Aspekt wird nach Ansicht des verlegenden Vereins durch die Arbeit selbst und ihre Entfaltung berührt. Beraterinnen und Berater könnten aufmerksam werden, sensibel dafür, ob ähnliche systematische Abläufe und psychologische Erkenntnisse bei anderen chronischen Krankheiten zu beobachten sind. Nach Ansicht des Vereins, der hier als Herausgeber fungiert, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, dass der Aspekt chronischer Krankheit in ihrer psychischen Bedeutung nicht nur für den einzelnen, sondern auch für sein familiäres Umfeld im Beispiel der Poliomyelitis und des Post-Polio-Syndroms in die Diskussion der Beratungsarbeit eingeführt wird.

Die Broschüre „Psychologische Aspekte von körperlicher Behinderung“ kann kostenlos im PDF-Format auf der Webseite der Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. herunter geladen werden.

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