Poliobetroffene kandidiert für den Deutschen Bundestag

Angelika Stoof will unmittelbar nach der Bundestagswahl in das Berliner Reichstagsgebäude einziehen. Erreichen möchte die Schweriner Rollstuhlfahrerin das mit Hilfe der „Unabhängigen Bürger“ (UB).
Von Lothar H. Epe

Angelika Stoof: Will den Schwachen eine starke Stimme geben.

Angelika Stoof: Will den Schwachen eine starke Stimme geben.

Wenn am 24. September 2017 darüber entschieden wird, wer die Schweriner in der nächsten Legislaturperiode auf Bundesebene politisch vertritt, soll auf jeden Fall eine Frau mit Kinderlähmungsfolgen dabei sein. Jedenfalls dann, wenn es nach dem Willen der „Unabhängigen Bürger“ geht. Die Wählervereinigung wünscht sich nämlich keine geringere als Angelika Stoof als ihre Volksvertreterin im Deutschen Bundestag.

Bei der Kandidatenkür ins richtige Töpfchen gegriffen

Das berichtet der örtliche Schweriner Pressedienst online in seiner Ausgabe vom 20. Juli 2017. Seit dem 28. Juli ist das auch offiziell, nachdem der Kreiswahlausschuss von Schwerin noch am selben Tag die Listen der Parteien für die am 24. September stattfindende Bundestagswahl bestätigt hatte.

Rolf Steinmüller, Vorsitzender der Wählergemeinschaft, und der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Bürger, Silvio Horn sind sich denn auch einig, mit der Rollstuhlfahrerin ins richtige Töpfchen gegriffen zu haben: „Wir freuen uns sehr, dass Angelika Stoof aus unseren Reihen als parteiunabhängige Kandidatin antritt“.

Bereits seit vielen Jahren engagiere sich die Kandidatin in Schwerin ehrenamtlich, so die UB in einer Presseerklärung weiter. Die amtierende Vorsitzende des örtlichen Behindertenbeirates habe sich durch ihre Mitarbeit in verschiedenen Gremien der Stadtvertretung Schwerins nicht nur einen fachlichen Einblick in viele politische Themen verschafft. „Vor allem hat sie sich durch ihre bescheidene aber auch energische Art viel Respekt und Sympathie erarbeitet“, heißt es in einer Presseerklärung weiter.

Was sagt die Kandidatin?

Und was sagt die Kandidatin selbst? „Alters- und Kinderarmut, soziale Isolation, unbezahlbarer Wohnraum und Barrieren aller Art sind Zustände, die ich nicht hinnehmen möchte“, so die Schweriner Kandidatin. Dabei sei ihr die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Lebensbereichen eine besondere Herzensangelegenheit, so Angelika Stoof.

Zieht im September eine Polionautin in den Deutschen Bundestag ein? (Foto:Wikipedia/Jürgen Matern)

Zieht im September eine Polionautin in den Deutschen Bundestag ein? (Foto:Wikipedia/Jürgen Matern)

Wie das örtliche Mitteilungsorgan Schwerins außerdem wissen will, wird die poliobetroffene Rollstuhlfahrerin bei der Wahl zum Deutschen Bundestag im Wahlkreis 12 antreten. Sie ist bereits seit 2009 Mitglied in der unabhängigen Wählervereinigung.

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Ein Kommentar

  1. Es freut mich,dass ich bei den Polionauten mit meiner Kandidatur angekommen bin und darüber berichtet wird. Mir reicht es, dass man in Sachen soziale Gerechtigkeit, Barrierefreiheit und Inklusion immer mehr einen Schritt zurück geht.Ich bin mit der Arbeit der derzeitigen Regierung nicht mehr zufrieden. Ich bin kein Profi in Sachen Politik und habe als Einzelkandidat keine Chance. Aber, ich stehe auch dahinter was ich sage und mache keine Versprechungen. Barrierefreiheit und Inklusion sind mir eine Herzenssache und auch die soziale Gerechtigkeit. Ich kann den Leuten ins Gesicht schauen uns sagen: ich bin eine von Euch. Warum Leben in so einem reichen Land wie Deutschland, immer mehr Kinder und Senioren an der Armutsgrenze, warum muss man um jede Barrierefreiheit und Inklusion kämpfen? Ich will es nicht hinnehmen. Es gilt die Politiker zu sensibilisieren. Es muss etwas getan werden, man darf da nucht einfach wegsehen, weil das einfacher ist.Daher Stelle ich mich zur Wahl.

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