Dr. med. Peter Brauer und seine Kardinal-Fragen

Sieben auf einen Streich: Peter Brauer geht der Sache auch gerne mal philosophisch auf den Grund. Von Lothar H. Epe

Peter Brauer bei einem seiner Vorträge über die Spätfolgen der Polio (Foto: privat)

Peter Brauer bei einem seiner Vorträge über die Spätfolgen der Polio (Foto: privat)

Dr. med. Peter Brauer ist ein kluger Kopf. Deshalb kennt er auch viele Antworten. Er kennt die Antworten aber vor allem deshalb, weil er sich in seinem Leben viele Fragen gestellt hat, auf die er dann folgerichtig Antworten suchte. Besonders, wenn es um das Post-Polio-Syndrom geht, hat der gelernte Facharzt für Transfusionsmedizin schon viele Antworten auf Fragen gefunden, die von der Erkrankung Betroffenen unter den Nägeln brennen.

Krankes Gesundheitssystem

Dennoch gibt es auch im Polioleben des beliebten Mediziners noch viele Fragen, die der renommierte Spezialist für Poliospätfolgen sich selbst und anderen Betroffenen bisher nicht beantworten kann.

Dummerweise sind das ausgerechnet sehr grundlegende Rätsel rund um die Spätfolgen der Polio, die der Hamburger (noch) nicht zu entschlüsseln vermag. Deshalb nennt Brauer sie folgerichtig auch die „Kardinal-Fragen zum Post-Polio-Syndrom“.

Der renommierte Fachbuchautor hat aber immerhin eine Schlussfolgerung für uns im Gepäck, die er uns von einer seiner Ausflüge in die Philosophie mitgebracht hat. In seiner eher kurzen Arbeit „7 Kardinal-Fragen zum Post-Polio-Syndrom“ formuliert Brauer denn auch gleich sieben mal sehr grundsätzlich, welche entscheidenden Probleme es aus seiner Sicht der Dinge sind, die am Post-Polio-Syndrom erkrankte Menschen nicht an ihrer Krankheit selbst, sondern am Gesundheitssystem scheitern lassen.

Kann etwas sein, das nicht sein darf?

Aber selbst, wenn Brauer in Bezug auf diese sehr grundsätzliche Fragen bezüglich der dazu gehörende Antworten auf dem Schlauch steht: Der Mediziner aus dem hohen Norden wäre nicht der Hamburger Dr. med. Peter Brauer, hielte er nicht dennoch eine hilfreiche Erkenntnis für uns bereit. Für Brauer lehrt uns das Post-Polio-Syndrom nämlich, übrigens entgegen eines offenbar nicht ausrottbaren Vorurteils in der Welt des Wissens, dass durchaus auch schon mal etwas sein kann, was eigentlich gar nicht sein darf.

Eine angemessene eher praktische Schlussfolgerung aus dem in 7 Fragen und einer Erkenntnis zusammengefassten Gesundheitsdilemma des Post-Polio-Syndroms dürfen und können wir Betroffenen immerhin selbst ziehen. Diese hier zählt dabei völlig zu Recht zu den Favoriten: Nur wenige Erkrankungen zeigen uns so barsch und brutal wie das Post-Polio-Syndrom , dass wir in Deutschland mit einem ziemlich kranken Gesundheitssystem zurecht kommen müssen.

7 Kardinal-Fragen zum Post-Polio-Syndrom

von Dr. med. Peter Brauer


1. Braucht ein Patient, der Hilfe beim Arzt sucht, nicht wirklich ärztliche Hilfe?

2. Wird ein Arzt eine Krankheit suchen, die er gar nicht kennt?

3. Bleibt eine Krankheit auch eine Krankheit, wenn sie nur vom Patienten wahrgenommen wird?

4. Ist das Ausbleiben objektiver Befunde hinreichender Beweis für die Nichtexistenz einer Krankheit?

5. Gibt es bei medizinischen Untersuchungsmethoden Nachweisbarkeitsgrenzen?

6. Hat ein Patient das Recht auf Selbsteinschätzung verloren, wenn seine Erkrankung nicht durch entsprechende Befunde untermauert werden kann?

7. Muss ein Patient, dem der Wirklichkeitsgehalt seiner vorgetragenen Beschwerden abgesprochen wird, nicht letztendlich das Gesundheitswesen für krank halten?

Schlussfolgerung

Das Post-Polio-Syndrom lehrt uns,
dass etwas sein kann,
was nicht sein „darf“!

Der Text wurde bereits vor einiger Zeit auf der Webseite der Polio Initiative Europa veröffentlicht.

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